1. Was zuerst zu verstehen ist
Beim Entsorgen eines Windows-PCs neigt man schnell zu dem Gedanken „einmal zurücksetzen reicht“ oder „die Dateien löschen genügt“. Das praktische Risiko geht jedoch darüber hinaus, denn auf einem alten PC bleiben mehr Informationen zurück, als man annimmt.
Private Dateien
Geschäftliche Dateien
Angemeldeter Zustand im Browser
Gespeicherte Passwörter
E-Mails
Synchronisierte Ordner wie OneDrive oder Dropbox
SSH-Private-Keys
Git-Zugangsdaten
API-Schlüssel für Cloud-Dienste
VPN-Konfigurationen
Zertifikate
WLAN-Passwörter
BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel
WSL- und Docker-Daten
Virtuelle Maschinen
Lokale Datenbanken
Daten aus Buchhaltungs- oder Fachsoftware
Was vor der Entsorgung eines PCs zu erledigen ist, lässt sich grob in vier Punkte unterteilen:
Benötigte Daten nicht verlieren
Verhindern, dass Daten vom ausrangierten PC wiederhergestellt werden
Verknüpfungen zu Konten und Lizenzen lösen
Die Tatsache und den Ablauf der Entsorgung im Nachhinein belegen können
Mit anderen Worten: Die Entsorgung eines PCs ist kein „Aufräumen vor dem Wegwerfen“, sondern eine kleine Aufgabe der Informationssicherheit.
Dieser Artikel geht von privaten PCs, Entwickler-PCs und dienstlichen PCs in kleinen Büros aus und ordnet, was vor der Entsorgung, Übergabe, dem Verkauf, der Inzahlungnahme oder der Rückgabe eines geleasten Windows-PCs zu prüfen ist.
2. Die Bedeutung von „Entsorgung“ differenzieren
Zunächst: „Entsorgung“ meint in diesem Artikel nicht nur die vollständige Verschrottung als Müll.
In der Praxis gibt es folgende Fälle:
| Fall | Typisches Beispiel | Wichtigste Punkte |
|---|---|---|
| Entsorgung | Einen alten PC zur Sammlung/zum Recycling geben | Datenlöschung, Zerstörung des Datenträgers, Nachweis |
| Verkauf | An einen Gebrauchtwarenhändler, Flohmarkt oder in Zahlung geben | Datenlöschung, Kontotrennung, Zustand nach dem Zurücksetzen |
| Übergabe | An Familie, Bekannte oder eine andere Abteilung weitergeben | Löschen persönlicher Daten, Lizenzen, Wechsel des Nutzers |
| Rückgabe eines Leasing-PCs | Einen geleasten Firmen-PC zurückgeben | Firmenrichtlinien, Anlagennummer, Löschnachweis, Aufhebung der Verwaltung |
| Weiterverwendung | Als eigenes Testgerät oder für einen anderen Zweck nutzen | Datentrennung, Neuinstallation des Betriebssystems, Rechteordnung |
Je nachdem, „wohin der PC gelangt“, ändert sich die nötige Sorgfalt. Geht er zum Beispiel nur innerhalb des eigenen Haushalts als Testgerät weiter, ist eine vollständige physische Zerstörung vielleicht nicht nötig. Wird dagegen ein PC, auf dem geschäftliche Daten lagen, an einen externen Dienstleister gegeben, sollte man bis hin zu Löschnachweis und physischer Zerstörung denken.
Als Erstes sollte man diese Fragen klären:
In wessen Hände gelangt dieser PC nach der Entsorgung?
Wie sensibel waren die Informationen, die auf diesem PC lagen?
Wird der Datenträger dieses PCs weiterverwendet oder zerstört?
Muss der Entsorgungsablauf später nachweisbar sein?
Bleibt diese Frage unklar und man „setzt einfach mal zurück“, kann man benötigte Daten verlieren oder umgekehrt Daten zurücklassen, die eigentlich gelöscht werden sollten.
3. Was bei der PC-Entsorgung wirklich zu schützen ist
Bei der Entsorgung eines PCs geht es nicht um den PC selbst, sondern um diese drei Dinge:
Daten
Konten
Vertrauen
Daten sind naheliegend. Dokumente, Fotos, E-Mails, Quellcode, Datenbanken, Zugangsdaten und Ähnliches.
Auch Konten sind wichtig. Bleibt der PC mit einem Microsoft-Konto, einem dienstlichen oder schulischen Konto, OneDrive, dem Browser, Cloud-Speicher, Entwicklerdiensten, VPN oder Remotedesktop verknüpft, könnten Dritte das missbrauchen.
Und leicht übersehen wird das Vertrauen.
Kommt es zu einem Datenleck, ist es unangenehm, wenn man Folgendes nicht erklären kann:
Wann wurde dieser PC entsorgt?
Wer hat die Entsorgung freigegeben?
Welcher Datenträger war verbaut?
Mit welcher Methode wurden die Daten gelöscht?
Wurde die Löschung oder Zerstörung überprüft?
An welchen Dienstleister wurde er übergeben?
Existieren Zertifikate oder Aufzeichnungen?
Bei privaten PCs muss das nicht immer so streng gehandhabt werden. Bei dienstlichen PCs ist die Entsorgungsdokumentation jedoch Teil der Sicherheitsmaßnahmen.
4. Der Gesamtablauf
Der übliche Ablauf vor der Entsorgung eines Windows-PCs sieht so aus:
1. Die Entsorgungsart festlegen
2. Den Inhalt des PCs sichten
3. Benötigte Daten sichern
4. Prüfen, dass sich das Backup wiederherstellen lässt
5. Apps, Lizenzen, Entwicklungsumgebung und Geheimnisse prüfen
6. OneDrive und andere Cloud-Synchronisationen stoppen
7. Verknüpfungen von Microsoft-Konto oder dienstlichem Konto ordnen
8. Den Status von BitLocker oder Geräteverschlüsselung prüfen
9. Die Löschmethode wählen
10. Windows zurücksetzen, mit einem dedizierten Werkzeug löschen oder physisch zerstören
11. Prüfen, dass der Ersteinrichtungsbildschirm erreicht ist oder die Zerstörung erfolgt ist
12. Das Gerät aus dem Microsoft-Konto oder dem Verwaltungsportal entfernen
13. Entsorgungsprotokoll, Löschnachweis und Abholbeleg aufbewahren
Entscheidend ist: vor dem Löschen prüfen.
Dieser Artikel hat 35 Kapitel. Die Erläuterung der Hintergründe folgt ab Kapitel 5 – wer direkt mit der Arbeit beginnen will, springt am besten direkt zur passenden Checkliste.
Die Kapitel 5 bis 31 erklären zu jedem Punkt dieser Checkliste, „warum er nötig ist“ und „wo man das findet“. Am effizientesten ist es, nur bei den Punkten, bei denen man in der Checkliste hängen bleibt, zum jeweiligen Kapitel zurückzuspringen.
Setzt man vor dem Backup zurück, ist das nicht mehr rückgängig zu machen. Startet der PC vor der Kontotrennung nicht mehr, wird das Aufräumen im Verwaltungsportal oder in der Cloud mühsam. Löscht man den TPM-Speicher, ohne den BitLocker-Status geprüft zu haben, kann man mitunter selbst nicht mehr auf die eigenen Daten zugreifen.
Die Entsorgung sollte man nicht aus dem Impuls heraus beginnen.
5. Zuerst sichern
Das Erste, was zu tun ist, ist nicht die Datenlöschung.
Es ist das Backup.
Windows besitzt einen Mechanismus namens Windows-Sicherung, mit dem sich Dateien, Designs, Einstellungen, einige Apps und WLAN-Informationen sichern lassen, um den Umzug auf einen neuen PC zu erleichtern.
Sich allein darauf zu verlassen ist jedoch riskant. Der Grund ist einfach:
Nicht alle App-Daten werden erfasst
Geschäftliche Dateien dürfen nicht ohne Weiteres in ein privates OneDrive geladen werden
Große VM- oder Docker-Daten fallen häufig heraus
Lokale Datenbanken oder Entwicklungsgeheimnisse werden leicht übersehen
Was wie synchronisiert aussieht, kann tatsächlich einen Synchronisationsfehler haben
Sicherer ist ein zweistufiges Vorgehen:
Die übliche Umzugsdaten mit Windows-Sicherung oder Cloud-Synchronisation zurücklassen
Wichtige Arbeitsdaten zusätzlich auf eine externe SSD oder internen Speicher auslagern
Besonders wichtig ist nicht die Tatsache, dass gesichert wurde, sondern dass sich die Daten wiederherstellen lassen.
Auch wenn im Backup-Ziel Dateien vorhanden zu sein scheinen, kann der Inhalt veraltet sein, es kann sich nur um Verknüpfungen handeln oder um Cloud-Platzhalter.
Vor der Entsorgung sollte man mindestens Folgendes prüfen:
Lässt sich das Backup-Ziel von einem anderen PC aus öffnen?
Lassen sich wichtige Dateien tatsächlich öffnen?
Kennt man die Passwörter für passwortgeschützte Dateien noch?
Sind komprimierte Dateien nicht beschädigt?
Fehlen Ordner im Sicherungsumfang?
6. Checkliste für den Sicherungsumfang
Hier werden Dinge aufgeführt, die vor der Entsorgung beim Backup leicht übersehen werden.
Benutzerordner
Zunächst das Grundlegende.
Desktop
Dokumente
Downloads
Bilder
Videos
Musik
Ordner unter OneDrive
Downloads wird oft als temporärer Ablageort verstanden, tatsächlich bleiben dort aber häufig wichtige PDFs, Rechnungen, Zertifikate, Installationsprogramme und Empfangsdateien liegen.
E-Mail und Kalender
Auch wenn E-Mails in der Cloud liegen, sollte man prüfen, ob nicht doch nur lokal vorhandene Daten existieren.
Outlook-PST-Dateien
Alte E-Mail-Archive
Programmspezifische lokale E-Mail-Daten
Exportierte Kalender
Kontakte
Besonders in Umgebungen, in denen ein älteres Outlook mit PST-Dateien genutzt wurde, bleiben Archive oft unter Dokumente\Outlook Files oder Ähnlichem liegen.
Browser
Im Browser stecken mehr Informationen, als man denkt.
Lesezeichen
Gespeicherte Passwörter
Erweiterungen
Autovervollständigungsdaten
Sitzungsinformationen
Cookies
Zertifikate
Arbeitsbereichseinstellungen der Entwicklertools
Wechselt man auf einen neuen PC, prüft man den Synchronisationsstatus des Browsers. Wird er nicht mehr gebraucht, meldet man sich vor der Entsorgung ab und hebt die Synchronisation auf. Wird am Ende jedoch ohnehin der gesamte Speicher gelöscht, muss man sich nicht ausschließlich auf das einzelne Löschen im Browser verlassen.
Geschäftliche Anwendungen
Bei geschäftlichen Anwendungen ist der Speicherort der Daten mitunter unklar.
Buchhaltungssoftware
Lohnabrechnungssoftware
Vertriebssteuerungssoftware
Software für Neujahrskarten
Software des Scanners
Anwendungen mit elektronischen Zertifikaten
Datenbanken in proprietärem Format
Erfolgt kein Backup oder Export über die Programmoberfläche selbst, lässt sich der Zustand mit einer einfachen Ordnerkopie manchmal nicht wiederherstellen.
Zertifikate und private Schlüssel
Auf PCs von Entwicklern oder Fachverantwortlichen sind Zertifikate wichtig.
Client-Zertifikate
Codesignatur-Zertifikate
VPN-Zertifikate
Zertifikate für elektronische Anträge
Dateien mit privaten Schlüsseln
PFX-Dateien
Zertifikate liegen nicht nur als Datei vor, sondern mitunter im Windows-Zertifikatspeicher. Falls nötig, sollte man beim Administrator der Organisation nachfragen, ob sich ein Export inklusive privatem Schlüssel durchführen lässt.
Entwicklungsumgebung
Auf Entwickler-PCs wird mehr übersehen als auf gewöhnlichen Büro-PCs.
Git-Repositorys
Nicht gepushte Commits
Nicht committete Änderungen
Lokale Branches
SSH-Private-Keys
GPG-Schlüssel
NuGet.config
npmrc
pip-Konfiguration
Docker-Volumes
WSL-Distributionen
Virtuelle Maschinen
Lokale Datenbanken
.env-Dateien
Zugangsdaten der Cloud-CLI
IDE-Einstellungen
Snippets
Nur lokal vorhandene Entwurfsnotizen
Besonders riskant sind nicht gepushte Commits und .env.
In .env stehen häufig Verbindungszeichenfolgen, API-Schlüssel und Test-Passwörter.
Man sollte getrennt überlegen, ob etwas als Backup erhalten bleiben muss oder verworfen und neu ausgestellt werden sollte.
7. Zusätzliche Prüfungen für Entwickler-PCs
Auf Entwickler-PCs reicht es oft nicht, nur Dateien umzuziehen.
Prüft man vor der Entsorgung Folgendes, gibt es nach dem Umzug weniger Probleme.
Den Git-Status prüfen
# Beispiel: Git-Repositorys unterhalb des Arbeitsordners suchen
Get-ChildItem -Path C:\Work -Directory -Recurse -Force -ErrorAction SilentlyContinue |
Where-Object { Test-Path (Join-Path $_.FullName ".git") } |
Select-Object FullName
In jedem Repository prüft man Folgendes:
git status
git branch --show-current
git remote -v
git log --oneline --decorate -5
Bleiben lokale Änderungen bestehen, committet und pusht man sie oder sichert sie als Patch.
git diff > changes.patch
git diff --staged > staged.patch
WSL prüfen
Wird WSL verwendet, prüft man die Distributionen.
wsl --list --verbose
Bei Bedarf exportiert man sie.
wsl --export Ubuntu D:\Backup\wsl-ubuntu.tar
Innerhalb von WSL können jedoch SSH-Schlüssel, Cloud-Zugangsdaten, .env-Dateien und Datenbankdaten der Linux-Seite enthalten sein.
Auch bei der Aufbewahrung des Sicherungsziels ist Vorsicht geboten.
Docker Desktop prüfen
Docker-Images lassen sich oft neu beziehen, Volumes können jedoch lokale Daten enthalten.
docker volume ls
docker ps -a
docker images
Gibt es Volumes für Datenbanken, hochgeladene Dateien einer Testumgebung oder MinIO-Daten zu Entwicklungszwecken, legt man eine Backup- oder Verwurfstrategie fest.
Zugangsdaten der Cloud-CLI erfassen
In folgenden Ordnern bleiben oft Zugangsdaten und Einstellungen zurück:
%USERPROFILE%\.aws
%USERPROFILE%\.azure
%USERPROFILE%\.kube
%USERPROFILE%\.docker
%USERPROFILE%\.ssh
%USERPROFILE%\.gnupg
%APPDATA%\NuGet\NuGet.Config
%USERPROFILE%\.npmrc
%USERPROFILE%\pip\pip.ini
Wird der gesamte Speicher vor der Entsorgung gelöscht, verschwinden die lokal verbliebenen Zugangsdaten mit. Kopiert man sie jedoch als Backup, muss auch das Kopierziel verwaltet werden.
Bei nicht mehr benötigten Tokens oder Schlüsseln ist es mitunter sicherer, sie neu auszustellen, statt sie auf den neuen PC zu übernehmen.
8. App-Liste und Lizenzen festhalten
Nach dem Löschen des PCs bereitet die Neuinstallation von Apps oft Probleme.
Besonders folgende Software sollte man vorab prüfen:
Kostenpflichtige Software
Software mit Einmallizenz
Software mit Geräteanzahlbeschränkung
Software, die einen alten Installer benötigt
Intern verteilte Apps
Treiber und Peripherie-Dienstprogramme
VPN-Clients
Apps, die ein Zertifikat benötigen
Unter Windows 11 / Windows 10 lässt sich, sofern winget verfügbar ist, eine Liste der installierten Apps ausgeben.
winget list > installed-apps.txt
winget export -o winget-export.json
winget export ist kein Zauberwerkzeug, mit dem sich alle Apps vollständig wiederherstellen lassen, dient aber als hilfreiche Notiz beim Aufsetzen eines neuen PCs.
Bei Lizenzen prüft man Folgendes:
Wurde der Lizenzschlüssel notiert?
Ist die Lizenz an ein Konto gebunden?
Muss man sich auf dem alten PC abmelden oder die Aktivierung aufheben?
Lässt sich der Installer noch beschaffen?
Sollte Software, deren Support ausgelaufen ist, weiter mitgezogen werden?
Die Entsorgung ist auch eine gute Gelegenheit, alte Software zu überprüfen.
9. Den Status von BitLocker und Geräteverschlüsselung prüfen
Bei aktuellen Windows-PCs sind BitLocker oder die Geräteverschlüsselung mitunter aktiviert.
BitLocker ist eine Windows-Funktion, die das gesamte Laufwerk verschlüsselt und so das Risiko eines Datenlecks durch Verlust, Diebstahl oder unsachgemäße Entsorgung des PCs senkt. Die Geräteverschlüsselung wiederum ist ein Mechanismus, der bei Windows-Geräten, die bestimmte Bedingungen erfüllen, automatisch eine BitLocker-basierte Verschlüsselung aktiviert.
Vor der Entsorgung prüft man den Verschlüsselungsstatus.
manage-bde -status
In PowerShell lässt sich das auch so prüfen:
Get-BitLockerVolume
Zu prüfen ist Folgendes:
Ist Laufwerk C verschlüsselt?
Ist das Datenlaufwerk verschlüsselt?
Ist die Verschlüsselung abgeschlossen oder noch im Gange?
Verwaltet man selbst oder die Organisation den Wiederherstellungsschlüssel?
Ist dieser PC an ein privates Konto oder an ein dienstliches/schulisches Konto gebunden?
„BitLocker ist aktiv, also ist alles gut“ lässt sich nicht so einfach sagen.
War das gesamte Laufwerk von Anfang an verschlüsselt und wird der Wiederherstellungsschlüssel ordentlich verwaltet, ist das für den Datenschutz von Vorteil. Wurde die Verschlüsselung aber erst kurz vor der Entsorgung aktiviert, lässt sich mitunter schwer beurteilen, ob früher gelöschte Daten oder unverschlüsselte Bereiche ausreichend geschützt sind.
Außerdem kann der Wiederherstellungsschlüssel im Microsoft-Konto oder im dienstlichen/schulischen Konto gespeichert sein. Vor und nach der Entsorgung prüft man bei Bedarf auch, wo der Wiederherstellungsschlüssel abgelegt ist.
Für den Speicherort des Wiederherstellungsschlüssels geht man der Reihe nach diese Orte durch:
| Speicherort | Wo zu öffnen |
|---|---|
| Microsoft-Konto | https://aka.ms/myrecoverykey. Wird zu account.microsoft.com/devices/recoverykey weitergeleitet |
| Dienstliches oder schulisches Konto | https://aka.ms/aadrecoverykey. Je nach Organisationseinstellung ist eine Anfrage an den Administrator nötig |
| Ausdruck auf Papier | Wurde beim Aktivieren von BitLocker gedruckt? |
| USB-Speicher oder Textdatei | Kann beim Aktivieren als Speicherort gewählt worden sein |
| Active Directory | Bei domänenverbundenen PCs kann er auf Organisationsseite hinterlegt sein |
Welche Schlüsselschutzverfahren auf dem PC eingerichtet sind, lässt sich mit einer als Administrator ausgeführten Eingabeaufforderung oder PowerShell prüfen.
manage-bde -protectors -get C:
Dieser Befehl zeigt alle für dieses Laufwerk aktivierten Schlüsselschutzverfahren mit Typ und ID an. Gibt es mehrere Wiederherstellungsschlüssel, hilft es, sich die ersten acht Stellen der Wiederherstellungsschlüssel-ID zu notieren, um den passenden Schlüssel zu erkennen.
10. OneDrive und Cloud-Synchronisation ordnen
Bei PCs, die OneDrive, Dropbox, Google Drive oder ähnliche Cloud-Synchronisationen nutzen, sollte man Folgendes getrennt betrachten:
Daten, die in der Cloud bleiben sollen
Daten, die von diesem PC gelöscht werden sollen
Daten, bei denen nur die Synchronisation mit diesem PC aufgehoben werden soll
Ein häufiges Missverständnis ist, dass das Löschen von Dateien im OneDrive-Ordner auf dem PC sie auch aus der Cloud entfernen kann.
Vor der Entsorgung sollte man nicht sofort Dateien löschen, sondern zuerst den Synchronisationsstatus prüfen.
Ist die Synchronisation abgeschlossen?
Gibt es keine Synchronisationsfehler?
Existieren Dateien, die nur lokal vorhanden sind?
Lassen sie sich in der Cloud öffnen?
Erst danach löst man die Verknüpfung mit dem PC.
Bei OneDrive öffnet man über das OneDrive-Symbol im Infobereich die Einstellungen und wählt im Tab „Konto“ Verknüpfung mit diesem PC aufheben.
Wird am Ende jedoch ohnehin Windows zurückgesetzt und das Laufwerk gelöscht, muss man sich nicht zu sehr auf das Aufheben der Cloud-Synchronisation allein versteifen. Wichtig ist, erst zu bestätigen, dass die benötigten Daten in der Cloud oder im Backup-Ziel vorhanden sind, und erst dann den PC zu löschen.
11. Die Verknüpfung mit dem Microsoft-Konto lösen
Meldet man sich auf einem Windows-PC mit einem Microsoft-Konto an, wird dieser PC in der Geräteliste des Microsoft-Kontos registriert.
Ein PC, der entsorgt, verkauft oder übergeben wird, sollte nach Abschluss der Arbeiten aus der Geräteliste des Microsoft-Kontos entfernt werden.
Der grobe Ablauf ist so:
1. Bei account.microsoft.com/devices anmelden
2. Den betreffenden PC suchen
3. „Gerät entfernen“ oder den entsprechenden Trennungsvorgang ausführen
4. Prüfen, dass er nicht mehr unter Microsoft-Store-Gerätebeschränkungen oder Find My Device erscheint
Zu beachten ist: Entfernt man das Gerät aus der Geräteliste des Microsoft-Kontos, wird dadurch nicht der Speicher des PCs gelöscht. Umgekehrt bedeutet ein reines Zurücksetzen des PCs auch nicht automatisch, dass die Geräteliste auf Seiten des Microsoft-Kontos bereinigt wird. Die lokale Datenlöschung und das Aufräumen auf Cloud-Seite sind als getrennte Aufgaben zu betrachten.
Ist der PC verloren gegangen, gestohlen worden oder nicht mehr griffbereit, prüft man außerdem Find my device und die Abmeldefunktion des Kontos.
Bei der Entsorgung eines vorhandenen PCs ist es übersichtlicher, zunächst Backup und Löschung der Daten zu priorisieren und anschließend die Registrierung auf Cloud-Seite aufzuräumen.
12. Das dienstliche oder schulische Konto trennen
PCs, die mit einem Firmen- oder Schulkonto angemeldet waren, sollte man vorsichtiger behandeln als private PCs.
Unter Windows lässt sich über Einstellungen ein dienstliches oder schulisches Konto verbinden.
Über diese Verbindung kann Zugriff auf E-Mail, Dateien, Apps und Ressourcen der Organisation möglich werden.
Vor der Entsorgung prüft man Folgendes:
Gehört dieser PC dem Unternehmen oder ist er Privateigentum?
Wird er über Intune oder ein anderes MDM verwaltet?
Ist er Microsoft Entra ID beigetreten?
Ist er bei Windows Autopilot registriert?
Ist der BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel auf Organisationsseite gespeichert?
Ist er als Leasing- oder Firmenvermögen registriert?
Wo man das jeweils prüft, zeigt diese Tabelle:
| Was zu prüfen ist | Wo zu öffnen |
|---|---|
| Ob dieser PC einer Organisation beigetreten ist | Einstellungen > Konten > Auf Arbeits- oder Schulkonto zugreifen. Per Befehl: dsregcmd /status |
| Ob er unter Intune/MDM-Verwaltung steht | Geräteliste im Microsoft Intune Admin Center https://intune.microsoft.com |
| Geräteregistrierung in Microsoft Entra ID | Geräteliste im Microsoft Entra Admin Center https://entra.microsoft.com |
| Ob der BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel bei der Organisation liegt | https://aka.ms/aadrecoverykey, oder das betreffende Gerät im Entra Admin Center öffnen |
| Registrierung bei Windows Autopilot | Geräteregistrierungsliste im Intune Admin Center |
dsregcmd /status zeigt an, ob dieser PC Microsoft Entra ID beigetreten ist, ob er einer Domäne angehört und zu welchem Mandanten er gehört. Verschafft man sich selbst vorab einen Überblick, bevor man den Administrator konsultiert, geht die Abstimmung schneller.
Bei privateigenen PCs mit verbundenem dienstlichem Konto lässt sich die Verbindung mitunter über Einstellungen > Konten > Auf Arbeits- oder Schulkonto zugreifen trennen.
Bei firmeneigenen PCs darf der Nutzer jedoch unter Umständen nicht eigenmächtig zurücksetzen.
Bei PCs unter Intune-Verwaltung nutzen Administratoren zum Beispiel je nach Fall unterschiedliche Geräteaktionen wie Retire, Wipe oder Delete.
Auch bei PCs, die bei Windows Autopilot registriert sind, kann ein einfaches Zurücksetzen von Windows dazu führen, dass der PC bei der erneuten Einrichtung wieder zur ursprünglichen Organisation zurückkehrt.
Bei der Entsorgung von Firmen-PCs ist es sicherer, nicht allein zu entscheiden, sondern dem Verfahren der IT-Abteilung oder des Administrators zu folgen.
13. Auch PC-Recycling und Abholung prüfen
Neben dem Zurücksetzen von Windows sollte man auch die tatsächliche Entsorgungsmethode prüfen.
In Japan werden gebrauchte PCs im Rahmen von Systemen wie der Herstellerrücknahme oder dem Recycling für Kleingeräte entsorgt. Haushalts-PCs und geschäftlich genutzte PCs können dabei unterschiedlich behandelt werden.
Für Privatpersonen gibt es folgende Möglichkeiten:
PC-Recycling-Annahme des Herstellers
Sammlung von Kleingeräten durch Kommunen oder zertifizierte Unternehmen
Gebrauchtwarenhändler oder Inzahlungnahme
Übergabe an Familie oder Bekannte
Für Unternehmen sind folgende Aspekte nötig:
Ausbuchung aus dem Anlagenverzeichnis des Unternehmens
Rückgabe an die Leasinggesellschaft
Behandlung als Industrieabfall
Datenlöschnachweis oder Zerstörungsnachweis
Vertrag und Geheimhaltung mit dem Dienstleister
Schutz vor Verlust beim Transport
Auch bei der Übergabe an einen Abholdienstleister ist es unsicher zu denken: „Der Dienstleister löscht das schon, ich muss nichts tun.“
In eigener oder organisatorischer Verantwortung entscheidet man, welche der beiden folgenden Varianten gewählt wird:
Selbst löschen oder zerstören und dann übergeben
An einen Dienstleister auslagern, der einen Löschnachweis ausstellen kann
14. Der Gedanke hinter der Datenlöschung
Datenlöschung hat Stufen.
NIST SP 800-88 Rev. 2 stellt für die Sanitisierung von Datenträgern grob die Konzepte Clear, Purge und Destroy vor.
Grob zusammengefasst:
| Stufe | Vorstellung | Beispiel |
|---|---|---|
| Clear | Mit üblichen Mitteln schwer auslesbar machen | Überschreiben, Löschfunktionen des Betriebssystems |
| Purge | Mit stärkeren Methoden die Wiederherstellung erschweren | Kryptografisches Löschen, dedizierte Befehle, geeignete Sanitisierung |
| Destroy | Den Datenträger unbrauchbar machen | Physische Zerstörung, Schreddern, Durchbohren |
Welche Stufe nötig ist, hängt von der Sensibilität der Daten und dem Verbleib nach der Entsorgung ab.
In den Kapiteln 15 bis 22 dieses Artikels werden die Löschmethoden einzeln erklärt. Damit der Überblick nicht verloren geht, folgt zuerst ein zusammenfassender Vergleich.
| Methode | Aufwand | Grober Stärkegrad | Geeignete Fälle | Details |
|---|---|---|---|---|
| Dateilöschung, Papierkorb leeren, Schnellformatierung | Gering | Zählt nicht als Sanitisierung. Keine ausreichende Löschung vor der Übergabe an Dritte | Als Mittel vor der Entsorgung nicht wählen | Kapitel 15 |
| Windows’ „Diesen PC zurücksetzen“ mit „Daten bereinigen“ | Mittel. Kann mehrere Stunden dauern | Entspricht Clear. Für die übliche private Übergabe oder Entsorgung realistisch | Privat-PC, Übergabe an Familie, Inzahlungnahme, Recycling | Kapitel 16, 17 |
cipher /w |
Mittel | Betrifft nur den unbenutzten Bereich. Vorhandene Dateien werden nicht gelöscht, daher allein unzureichend | Wenn man bei einem weiter genutzten PC Spuren gelöschter Daten reduzieren möchte | Kapitel 21 |
| Secure Erase / Sanitize des Speichers | Mittel. Ablauf variiert je nach Modell | Entspricht Purge. Bei SSDs mitunter geeigneter als einfaches Überschreiben | SSD, NVMe, wenn der Hersteller ein Verfahren veröffentlicht | Kapitel 19 |
| Kryptografisches Löschen | Gering. Voraussetzungen sind jedoch streng | Entspricht Purge. Nur wenn von Anfang an alles verschlüsselt war | PC, bei dem BitLocker von Betriebsbeginn an aktiv war | Kapitel 20 |
| Vollständiges Überschreiben mit einem dedizierten Löschwerkzeug | Hoch. Zeitaufwendig | Clear bis Purge. Bei HDDs wirksam, bei SSDs mitunter schwächer garantiert | HDD, dienstliche PCs mit Löschprotokoll | Kapitel 19 |
| Physische Zerstörung | Hoch. Beauftragung eines Dienstleisters ist realistisch | Destroy. Am stärksten, der Datenträger ist danach nicht mehr nutzbar | Hochsensible Daten, defekte, nicht löschbare Laufwerke | Kapitel 22 |
| Beauftragung eines Dienstleisters mit Löschnachweis | Gering. Kosten und Vertrag sind jedoch nötig | Abhängig vom Auftragsumfang. Mit Zertifikat später nachweisbar | Unternehmen, Leasingrückgabe, Auditzwecke | Kapitel 13, 28 |
Die Spalte zum Stärkegrad ist lediglich „ein grober Anhaltspunkt unter der Annahme, dass der PC nach der Entsorgung in die Hände Dritter gelangt“. Auch bei derselben Methode variiert das Ergebnis je nach Art des Laufwerks, der Dauer der Verschlüsselung und dem Umfang der einbezogenen Laufwerke.
Gibt man einen alten privaten PC zum Recycling, kann man mit Diesen PC zurücksetzen bei Windows durch die Wahl von Alles entfernen und Daten bereinigen die üblichen Risiken senken.
Bei einem PC, auf dem Kundendaten, Zugangsdaten oder medizinische, finanzielle oder vertrauliche Konstruktionsdaten lagen, kann das allein jedoch unzureichend sein. In diesem Fall sollte man dedizierte Löschwerkzeuge, Sanitisierungsfunktionen des Speicherherstellers, kryptografisches Löschen oder physische Zerstörung in Betracht ziehen.
Wichtig ist Folgendes:
„Gelöscht geglaubt“ und „nicht wiederherstellbar“ sind zweierlei
„Windows startet nicht“ und „Daten sind nicht lesbar“ sind zweierlei
„Zurückgesetzt“ und „branchenübliche Löschung erfüllt“ sind zweierlei
15. „Löschen“ oder „Schnellformatierung“ allein reichen nicht
Löscht man Dateien und leert den Papierkorb, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass die Daten selbst vollständig verschwunden sind.
Beim normalen Löschen wird im Dateisystem nur vermerkt, dass „dieser Bereich frei ist“ – solange die eigentlichen Daten nicht überschrieben werden, bleibt eine Wiederherstellung möglich.
Für die Schnellformatierung gilt dasselbe. Es werden nur die Verwaltungsinformationen neu erstellt, ohne den gesamten Speicher vollständig zu überschreiben.
Folgende Maßnahmen sind als Datenlöschung vor der Entsorgung schwach:
Nur den Papierkorb leeren
Nur den Benutzerordner löschen
Nur den Browserverlauf löschen
Nur den Windows-Benutzer löschen
Nur schnellformatieren
Nur die Partition löschen
Im alltäglichen Gebrauch haben diese Maßnahmen als „unsichtbar machen“ durchaus einen Sinn. Als Löschung vor der Übergabe des PCs an Dritte reichen sie jedoch nicht aus.
16. Was Windows’ „Diesen PC zurücksetzen“ leistet
Für die Entsorgung oder Übergabe eines privaten PCs am einfachsten zu nutzen ist Windows’ Diesen PC zurücksetzen.
In Windows 11 findet man das ungefähr hier:
Einstellungen > System > Wiederherstellung > Diesen PC zurücksetzen
In Windows 10 liegt es hier:
Einstellungen > Update und Sicherheit > Wiederherstellung > Diesen PC in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen
Bei Entsorgung oder Übergabe wählt man grundsätzlich Alles entfernen.
Bei den anschließenden Optionen sind folgende Punkte wichtig:
Persönliche Dateien nicht behalten
Apps und Einstellungen nicht wiederherstellen
Das Laufwerk bereinigen
Bei Bedarf alle Laufwerke einbeziehen
Laut Microsofts Erklärung löscht Daten bereinigen, wenn aktiviert, Dateien und bereinigt das Laufwerk so, dass andere Personen gelöschte Dateien schwerer wiederherstellen können.
Diese Löschfunktion sei jedoch für Endverbraucher gedacht und erfülle keine staatlichen oder branchenüblichen Datenlöschstandards.
Das ist der entscheidende Punkt: Das Zurücksetzen von Windows ist praktisch, aber nicht allmächtig.
Für die übliche private Übergabe oder Entsorgung gut geeignet
Als Löschnachweis für hochsensible Daten mitunter unzureichend
Bei SSDs oder defekten Laufwerken kann dedizierte Sanitisierung oder Zerstörung nötig sein
17. Standardablauf bei privaten PCs
Der realistische Ablauf, um einen privaten PC zu verkaufen, zu übergeben oder zur Abholung zu geben, sieht so aus:
1. Benötigte Daten sichern
2. Prüfen, dass sich das Backup von einem anderen PC oder Smartphone aus öffnen lässt
3. Den Synchronisationsstatus von OneDrive und Ähnlichem prüfen
4. Den Kontostatus von Browser und Apps prüfen
5. Den Status von BitLocker oder Geräteverschlüsselung prüfen
6. Windows' „Diesen PC zurücksetzen“ öffnen
7. „Alles entfernen“ wählen
8. „Daten bereinigen“ aktivieren
9. Bei mehreren Laufwerken die betroffenen Laufwerke prüfen
10. Das Zurücksetzen ausführen
11. Nach Erreichen des Ersteinrichtungsbildschirms keinen neuen Benutzer anlegen, sondern den PC ausschalten
12. Aus der Geräteliste des Microsoft-Kontos entfernen
Der Ersteinrichtungsbildschirm ist der Bildschirm, auf dem Land oder Region, Tastatur und Netzwerk gewählt werden. Ist dieser Bildschirm erreicht, kann der nächste Nutzer die Einrichtung mit seinem eigenen Konto durchführen.
Legt man an dieser Stelle bereits einen neuen Benutzer an, muss auch dessen Benutzerinformation wieder gelöscht werden. Bei Verkauf oder Übergabe ist es übersichtlicher, den PC am Ersteinrichtungsbildschirm auszuschalten.
18. „Alle Laufwerke“ nicht übersehen
Bei der Windows-Rücksetzung ist besonders bei mehreren Laufwerken Vorsicht geboten.
Auch bei Notebooks gibt es Konstellationen wie diese:
C: SSD für das Betriebssystem
D: SSD oder HDD für Daten
SD-Karte
Externe SSD
Wiederherstellungspartition
Herstellereigener Bereich
Bei Desktop-PCs ist es noch komplexer.
NVMe-SSD
SATA-SSD
HDD
Zusätzlich eingebautes Laufwerk
Von einem alten PC übernommene Datenfestplatte
RAID-Konfiguration
Wählt man beim Zurücksetzen von Windows Nur das Laufwerk, auf dem Windows installiert ist, können auf Laufwerk D und Ähnlichen Daten zurückbleiben.
Bei Entsorgung, Verkauf oder Übergabe prüft man Folgendes:
Get-Disk | Select-Object Number, FriendlyName, SerialNumber, Size, PartitionStyle
Get-Volume | Select-Object DriveLetter, FileSystemLabel, FileSystem, SizeRemaining, Size
Gibt es nicht mehr benötigte interne Laufwerke, bezieht man sie in die Windows-Rücksetzung ein oder löscht bzw. zerstört sie physisch einzeln.
Ein häufiger Fehler ist, nur Laufwerk C zu bereinigen und den PC mit alten Fotos, geschäftlichen Dateien, Backups oder virtuellen Maschinen auf Laufwerk D weiterzugeben.
19. Bei HDD und SSD unterscheidet sich der Löschansatz
Bei älteren HDDs und SSDs unterscheidet sich der Ansatz zur Datenlöschung.
Bei HDDs ist die Vorstellung, an bestimmten Positionen auf der Magnetscheibe zu überschreiben, vergleichsweise einfach zu fassen. Löschwerkzeuge, die den gesamten Bereich überschreiben, waren daher lange üblich.
SSDs und NVMe-SSDs betreiben dagegen intern Wear-Leveling und Overprovisioning. Die vom Betriebssystem sichtbare logische Adresse entspricht nicht fest der tatsächlichen physischen Zelle.
Deshalb lässt sich bei einem einfachen Überschreiben nicht immer sicher sagen, dass „wirklich alle früheren Daten überschrieben wurden“.
Auch NIST SP 800-88 Rev. 2 vertritt bei Medien wie SSDs die Auffassung, dass bei Bedarf an zusätzlicher Sicherheit nicht einfaches Überschreiben, sondern das stärkere Purge oder Destroy verwendet werden sollte.
In der Praxis hilft folgende Übersicht:
| Medium | Übliches Vorgehen bei privater Nutzung | Vorgehen bei hohem Sicherheitsbedarf |
|---|---|---|
| HDD | Datenbereinigung bei der Windows-Rücksetzung, vollständiges Überschreiben | Dediziertes Löschwerkzeug, Löschnachweis, physische Zerstörung |
| SSD / NVMe | Windows-Rücksetzung, Prüfung des Verschlüsselungsstatus | Vom Hersteller bereitgestelltes Secure Erase / Sanitize, kryptografisches Löschen, physische Zerstörung |
| Defektes Laufwerk | Falls selbst nicht löschbar, externe Beauftragung | Physische Zerstörung mit Zerstörungsnachweis |
| USB-Speicher / SD-Karte | Nach Inhaltsprüfung löschen | Zerstörung oder Verarbeitung durch einen Entsorgungsdienstleister |
Bei SSDs ist es mitunter passender, die vom Speicher- oder PC-Hersteller bereitgestellte Löschfunktion zu nutzen.
Bei manchen Modellen stehen Secure Erase oder Sanitize im BIOS/UEFI zur Verfügung.
Auch bei ähnlichem Namen unterscheiden sich Funktion und Garantie jedoch je nach Produkt. Bei hochsensiblen Daten sollte man interne Richtlinien oder einen Dienstleister mit Löschnachweis bevorzugen.
20. Der Gedanke hinter dem kryptografischen Löschen mit BitLocker
Bei verschlüsseltem Speicher lassen sich die Daten ohne den Verschlüsselungsschlüssel nicht lesen.
Bei einem korrekt verschlüsselten Laufwerk lässt sich daher durch Ungültigmachen oder Vernichten des Schlüssels das Lesen der eigentlichen Daten erschweren. Das wird als kryptografisches Löschen oder cryptographic erase bezeichnet.
Bei BitLocker ist jedoch Vorsicht geboten.
Sind folgende Bedingungen erfüllt, ist die Sicherheit vor der Entsorgung hoch:
BitLocker war schon vor der Entsorgung aktiv
Die Verschlüsselung war abgeschlossen
Nicht nur das Betriebssystemlaufwerk, sondern auch das Datenlaufwerk war verschlüsselt
Der Wiederherstellungsschlüssel wurde ordentlich verwaltet
Der Umgang mit TPM und Wiederherstellungsschlüssel ist bekannt
Umgekehrt ist es riskant, sich allein auf BitLocker zu verlassen, wenn Folgendes zutrifft:
Die Verschlüsselung wurde erst unmittelbar vor der Entsorgung aktiviert
Es war „nur der genutzte Bereich verschlüsselt“
Es gab lange Phasen unverschlüsselter Nutzung in der Vergangenheit
Laufwerk D oder eine externe Festplatte sind nicht verschlüsselt
Der Speicherort des Wiederherstellungsschlüssels ist unbekannt
Man sollte nicht denken: „BitLocker ist da, also braucht es kein Zurücksetzen mehr.“
In der Praxis kombiniert man Folgendes:
BitLocker im Alltag stets aktiviert lassen
Bei der Entsorgung eine Windows-Rücksetzung oder dedizierte Löschung durchführen
Bei hochsensiblen Daten Löschnachweis oder physische Zerstörung nutzen
BitLocker hat nicht nur bei der Entsorgung, sondern auch als alltäglicher Schutz vor Verlust und Diebstahl seinen Sinn, wenn es dauerhaft aktiviert ist.
21. Die Rolle von cipher /w
Windows besitzt den Befehl cipher /w, mit dem sich der nicht genutzte Bereich eines NTFS-Volumes überschreiben lässt, um die Wiederherstellung gelöschter Daten zu erschweren.
Ein Anwendungsbeispiel:
cipher /w:C:\
Laut Microsofts Beschreibung überschreibt cipher /w:<Verzeichnis> den verfügbaren, ungenutzten Bereich auf dem Volume, auf dem sich dieses Verzeichnis befindet.
Man sollte es jedoch nicht als primäres Mittel vor der Entsorgung überschätzen.
Die Gründe sind:
Aktuell vorhandene Dateien werden nicht gelöscht
Betroffen ist nicht nur der angegebene Ordner, sondern der ungenutzte Bereich des gesamten Volumes
Andere Laufwerke oder versteckte Partitionen müssen separat bedacht werden
Bei SSDs kann die Garantie eines einfachen Überschreibens schwächer sein
Der Vorgang dauert
Es zählt nicht als branchenüblicher Löschnachweis
cipher /w kann nützlich sein, um „Spuren versehentlich gelöschter Dateien im ungenutzten Bereich schwerer lesbar zu machen“.
Soll der PC jedoch als Ganzes entsorgt werden, sollte man zuerst überlegen, ob Windows-Rücksetzung, dedizierte Löschung, kryptografisches Löschen oder physische Zerstörung zum Einsatz kommt.
22. Wann physische Zerstörung zu wählen ist
In folgenden Fällen sollte man die physische Zerstörung des Datenträgers in Betracht ziehen:
Es wurden Kundendaten oder vertrauliche Informationen verarbeitet
Es waren medizinische, finanzielle, juristische oder Forschungs- und Entwicklungsdaten sowie Zugangsdaten enthalten
Der PC ist defekt und ein Löschwerkzeug lässt sich nicht ausführen
Die Löschgarantie der SSD lässt sich nicht selbst überprüfen
Nach der Entsorgung besteht die Möglichkeit einer Weiterverbreitung an Dritte
Interne Richtlinien fordern physische Zerstörung
Ein Lösch- oder Zerstörungsnachweis wird benötigt
Für die physische Zerstörung gibt es unter anderem folgende Methoden:
Den Datenträger ausbauen und aufbewahren
Bei einem Fachbetrieb durchbohren oder schreddern lassen
Sich ein Zerstörungszertifikat ausstellen lassen
Eine Zerstörung vor Ort beauftragen
Selbst mit dem Hammer zerschlagen oder mit einer Bohrmaschine durchbohren birgt Verletzungsrisiken und die Gefahr eines Akkuschadens. Besonders bei Notebooks ist eine Beschädigung des Akkus gefährlich.
Für den geschäftlichen Einsatz ist es besser, statt selbst zu zerstören, einen Dienstleister zu beauftragen, der ein Zertifikat ausstellen kann.
23. Ein nicht startender PC ist nicht sicher
Die Annahme „er ist kaputt und startet nicht, also lassen sich auch keine Daten lesen“ ist gefährlich. Auch wenn der PC selbst nicht startet, lässt sich der Datenträger oft ausbauen, an einen anderen PC anschließen und auslesen.
Besonders bei folgenden Defekten kann der Datenträger selbst noch intakt sein:
Der Bildschirm bleibt schwarz
Das Mainboard ist defekt
Der PC lässt sich nicht einschalten
Die Tastatur ist defekt
Windows startet nicht
Der Bootloader ist beschädigt
Bei der Entsorgung eines nicht startenden PCs wählt man eine der beiden Optionen:
Den Datenträger ausbauen und in einer anderen Umgebung löschen
Den Datenträger ausbauen und physisch zerstören
War BitLocker aktiv, ist ein Auslesen des Datenträgers – selbst nach Anschluss an einen anderen PC – ohne den Wiederherstellungsschlüssel unwahrscheinlicher. Dennoch ist bei dienstlichen PCs statt der Annahme „müsste verschlüsselt gewesen sein“ ein anhand von Aufzeichnungen belegbarer Zustand vorzuziehen.
24. Auch TPM-, BIOS- und UEFI-Einstellungen ordnen
Auf einem Windows-PC bleiben nicht nur im Speicher, sondern auch in Einstellungen Spuren zurück.
Dazu gehört zum Beispiel Folgendes:
BIOS-/UEFI-Passwort
Startreihenfolge
Secure-Boot-Einstellung
TPM-Status
Windows-Hello-bezogene Schlüssel
Registrierte Fingerabdruck- oder Gesichtserkennungsdaten
Administratorpasswort
Anlagenverwaltungs-Tag
Wird der PC übergeben oder verkauft, hebt man das BIOS-/UEFI-Passwort auf und setzt bei Bedarf die Firmware-Einstellungen auf die Standardwerte zurück.
Es gibt auch die Möglichkeit, den TPM-Speicher zu löschen.
Microsofts Anleitung beschreibt den Weg über die Windows-Sicherheit: Gerätesicherheit öffnen, Problembehandlung für den Sicherheitsprozessor wählen und dort TPM löschen auswählen.
Das Löschen des TPM-Speichers sollte jedoch mit Vorsicht erfolgen.
Der TPM steht mit BitLocker und Windows Hello in Zusammenhang. Löscht man den TPM-Speicher, bevor die benötigten Daten gesichert sind oder ohne den BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel zu kennen, kann man selbst den Zugriff auf die eigenen Daten verlieren.
Als Reihenfolge empfiehlt sich Folgendes:
Zuerst die Daten sichern
Den Speicherort des BitLocker-Wiederherstellungsschlüssels prüfen
Die Datenlöschung oder Rücksetzung durchführen
Bei Übergabe oder Verkauf bei Bedarf TPM- und Firmware-Einstellungen ordnen
Ist man sich unsicher, ist es sicherer, nicht allein am TPM herumzuprobieren, sondern dem Windows-Rücksetzungsablauf und den Übergabe-/Rücksetzverfahren des Herstellers zu folgen.
25. Peripheriegeräte und externe Speicher nicht vergessen
Betrachtet man nur den PC selbst, vergisst man leicht externe Geräte. Man sollte prüfen, ob bei der Entsorgung nicht auch andere Dinge mit entsorgt werden müssen.
Externe HDD
Externe SSD
USB-Speicher
SD-Karte
microSD-Karte
DVD oder Blu-ray
Speicher des Druckers
Speicherbereich des Scanners
NAS
USB-Dongle
Smartcard
SIM-Karte
Besonders auf externen HDDs und USB-Speichern bleiben oft alte Backups oder persönliche Daten liegen.
Der Zustand „der PC wurde zurückgesetzt, aber die mitgelieferte externe HDD enthielt noch alle Daten“ sollte vermieden werden.
Peripheriegeräte wie eine Bluetooth-Maus oder -Tastatur stellen meist kein großes Informationsrisiko dar, USB-Sicherheitsschlüssel, Smartcards und Token mit elektronischem Zertifikat sind jedoch etwas anderes. Bei solchen Authentifizierungsgeräten sollte man unbedingt die Deregistrierung oder den Widerruf prüfen.
26. Auch Smartphone-Verknüpfung, eSIM und Mobilfunkverträge prüfen
Aktuelle Windows-PCs nutzen mitunter eine Smartphone-Verknüpfung oder Mobilfunkfunktionen.
Vor der Entsorgung prüft man Folgendes:
App zur Smartphone-Verknüpfung
Bluetooth-Kopplungen
SIM-Karte für Mobilfunk
eSIM-Profil
VPN-Profil
Remotezugriff-Tools
MDM-Agent
Ist eine physische SIM-Karte eingelegt, nimmt man sie heraus. Wird eSIM genutzt, prüft man beim Mobilfunkanbieter oder in den PC-Einstellungen die Schritte für Löschung oder Kündigung.
Auch Remotezugriff-Tools sind wichtig.
AnyDesk
TeamViewer
Chrome Remote Desktop
Remotedesktop
VPN-Client
Interne Fernsupport-Tools
Ein Zurücksetzen des PCs entfernt sie meist, auf Kontoseite kann jedoch eine alte Geräteregistrierung zurückbleiben. Über das Verwaltungsportal des jeweils genutzten Dienstes sollte man nicht mehr benötigte Geräte entfernen.
27. Bei Firmen-PCs nicht „nach eigenem Ermessen zurücksetzen“
Einen PC, der im Unternehmen genutzt wurde, sollte man nicht mit demselben Gefühl zurücksetzen wie einen privaten PC.
Die Gründe sind:
Er ist im Anlagenverzeichnis des Unternehmens registriert
Es besteht ein Leasingvertrag
Er wird über Intune oder Ähnliches verwaltet
Der BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel ist bei der Organisation gespeichert
Er ist bei Windows Autopilot registriert
Ein Löschnachweis kann erforderlich sein
Ein Prüfprotokoll kann erforderlich sein
Setzt ein Nutzer Windows eigenmächtig zurück, können Probleme wie diese entstehen:
Ungesicherte geschäftliche Daten werden gelöscht
Die Verknüpfung zwischen Anlagennummer und tatsächlichem Gerät geht verloren
Ein altes Gerät bleibt in Intune oder Entra ID stehen
Die Autopilot-Registrierung bleibt bestehen und wird beim Weiterverkauf zum Problem
Es kann kein Löschnachweis geführt werden
Die Rückgabebedingungen des Leasingvertrags werden nicht erfüllt
Die Entsorgung eines Firmen-PCs verläuft im Allgemeinen sicherer über folgenden Ablauf:
1. Der Nutzer lagert benötigte Daten auf den geschäftlichen Speicher aus
2. Der Administrator prüft Anlagennummer, Seriennummer und Nutzer
3. Der Administrator prüft den Verwaltungsstatus des Geräts
4. Bei Bedarf führt der Administrator in Intune Wipe oder Retire aus
5. Die Registrierung bei Autopilot oder Entra ID wird bereinigt
6. Löschung oder Zerstörung wird durchgeführt
7. Zertifikat und Anlagenverzeichnis werden verknüpft aufbewahrt
Auch in kleinen Unternehmen ist es sinnvoll, mindestens festzuhalten, wessen PC, wann, mit welcher Methode gelöscht wurde.
28. Umgang mit Lösch- und Zerstörungsnachweisen
Bei dienstlichen PCs können Zertifikate wichtig werden.
Auf einem Zertifikat stehen zum Beispiel folgende Informationen:
Hersteller des PCs
Modell
Seriennummer
Anlagennummer
Hersteller des Datenträgers
Seriennummer des Datenträgers
Lösch- oder Zerstörungsmethode
Datum und Uhrzeit der Durchführung
Ausführende Person
Prüfmethode
Name des Dienstleisters
Zertifikatsnummer
Nur die Feldnamen aufzulisten vermittelt wenig Anschauung, deshalb folgt hier ein Ausfüllbeispiel. Alle Werte sind rein fiktiv und dienen nur der Veranschaulichung.
| Feld | Beispieleintrag |
|---|---|
| Zertifikatsnummer | ERASE-2026-0142 |
| Datum und Uhrzeit der Durchführung | 2026-06-10 14:30 |
| Hersteller / Modell | Hersteller A / ModelX |
| Seriennummer des PCs | 5CD0000ABC |
| Anlagennummer | PC-2021-0087 |
| Datenträger | SATA-SSD 512 GB / Hersteller B |
| Seriennummer des Datenträgers | S0EV000N000000 |
| Lösch- oder Zerstörungsmethode | Secure Erase mit dem vom Hersteller bereitgestellten Werkzeug. Werkzeugname und Version ebenfalls angeben |
| Prüfmethode | Löschprotokoll gespeichert. An einem anderen PC angeschlossen und geprüft, dass keine Partition vorhanden ist |
| Ergebnis | Erfolgreich abgeschlossen |
| Ausführende Person | Name der zuständigen Person, IT-Abteilung |
| Anwesende Person | Name der zuständigen Person, Verwaltungsabteilung |
| Name des Dienstleisters | Entfällt, da intern durchgeführt |
Erstellt man die Zertifikatsvorlage selbst, genügt es, die linke Spalte dieser Tabelle direkt als Felder zu übernehmen. Erhält man ein Zertifikat von einem Dienstleister, prüft man bei der Übergabe, ob diese Felder ausgefüllt sind.
Wichtig ist, nicht nur die Seriennummer des PCs selbst, sondern auch die Seriennummer des Datenträgers zu notieren. Wurde der Datenträger ausgetauscht, bleibt anhand der reinen PC-Angaben unklar, „welcher Datenträger tatsächlich gelöscht wurde“.
Nach Möglichkeit notiert man vor der Entsorgung Folgendes:
Get-Disk | Select-Object Number, FriendlyName, SerialNumber, Size
Get-PhysicalDisk | Select-Object FriendlyName, SerialNumber, MediaType, Size
Je nach Umgebung lässt sich die Seriennummer jedoch nicht immer ermitteln. In diesem Fall ergänzt man das durch Fotos, die Anlagenverwaltungsnummer oder den Bericht des Dienstleisters.
29. Bei Verkauf und Übergabe auch an „nutzbar für die andere Person“ denken
Handelt es sich nicht um Entsorgung, sondern um Verkauf oder Übergabe, prüft man neben der Sicherheit auch, ob der PC für den nächsten Nutzer verwendbar ist.
Lässt sich die Windows-Lizenz aktivieren?
Ist kein BIOS-Passwort mehr gesetzt?
Wird kein BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel verlangt?
Bleibt der PC am Ersteinrichtungsbildschirm stehen?
Ist er nicht mehr an ein Microsoft-Konto gebunden?
Ist er nicht mehr bei Autopilot oder der Organisationsverwaltung registriert?
Ist das zugehörige Netzteil vorhanden?
Ist beim Verkauf ohne Datenträger deutlich vermerkt, dass dieser fehlt?
Besonders bei Gebraucht-PCs problematisch ist häufig die Registrierung in der Organisationsverwaltung. Ein PC, der noch bei Windows Autopilot registriert ist, kann beim nächsten Nutzer während der Einrichtung eine Anmeldung bei der ursprünglichen Organisation verlangen.
Wird ein Firmen-PC als Gebrauchtware weitergegeben, sollte man bis hin zur Deregistrierung von Autopilot, Entra ID und Intune prüfen.
Auch wenn ein privat gekaufter PC an die Familie weitergegeben wird, sollte man Microsoft-Konto, OneDrive, Find My Device, BitLocker und BIOS-Passwort ordnen.
30. Ein Arbeitsprotokoll führen
Bei einem privaten PC genügt eine einfache Notiz.
2026-06-10
Surface Laptop XY zur Entsorgung vorbereitet
Daten auf externer SSD gesichert
Windows-Rücksetzung mit „Alles entfernen“ und „Daten bereinigen“ durchgeführt
Ersteinrichtungsbildschirm geprüft
Aus der Geräteliste des Microsoft-Kontos entfernt
An die Herstellerrücknahme verschickt
Bei dienstlichen PCs hält man etwas ausführlicher fest:
Anlagennummer
Hersteller
Modell
Seriennummer
Nutzer
Abteilung
Angaben zum Datenträger
BitLocker-Status
Prüfer des Backups
Löschmethode
Ausführende Person der Löschung
Datum und Uhrzeit der Durchführung
Prüfergebnis
Abholdienstleister
Belegnummer
Zertifikatsnummer der Löschung
Das wirkt aufwendig, aber bei einem Datenleck oder im Rahmen eines Audits überzeugt die bloße Aussage „das haben wir sicher gemacht“ im Nachhinein nicht. Ist die Entsorgungsarbeit einmal abgeschlossen, ist das physische Gerät nicht mehr greifbar – gerade deshalb zahlt sich ein Arbeitsprotokoll aus.
31. Typische Fehlerbeispiele
Zum Schluss eine Zusammenstellung häufiger Fehler.
Fehlerbeispiel 1: Vor dem Backup zurückgesetzt
Der häufigste Fehler.
Man dachte, ein alter PC enthalte keine nennenswerten Daten
Nach dem Zurücksetzen fiel auf, dass nur lokal vorhandene Fotos oder Dokumente fehlten
Man dachte, es liege in OneDrive, tatsächlich war die Synchronisation nicht erfolgt
Die Gegenmaßnahme ist, das Backup tatsächlich von einem anderen Gerät aus zu öffnen und zu prüfen.
Fehlerbeispiel 2: Laufwerk D zurückgelassen
Der Fehler, nur Laufwerk C zurückzusetzen und die Daten auf Laufwerk D zu belassen.
C: bereits zurückgesetzt
D: alte Backups, Fotos, virtuelle Maschinen, geschäftliche Daten sind noch vorhanden
Die Gegenmaßnahme ist, mit Get-Disk oder Get-Volume alle Laufwerke zu prüfen.
Fehlerbeispiel 3: Entwicklungsgeheimnisse ins Backup gemischt
Der Fehler, in der Absicht eines Umzugs .aws, .ssh, .npmrc und .env komplett zu kopieren und dieses Backup unverschlüsselt auf einer externen Festplatte abzulegen.
Verschwinden diese Daten zwar vom entsorgten PC, aber lecken sie am Backup-Ziel, ist nichts gewonnen.
Geheime Informationen teilt man auf: was mitgenommen und was neu ausgestellt werden soll.
Fehlerbeispiel 4: Firmen-PC eigenmächtig zurückgesetzt
Setzt ein Nutzer in guter Absicht selbst zurück, kann es sein, dass der Administrator anschließend keinen Nachweis mehr führen kann.
Bei Firmen-PCs klärt man den Ablauf für Entsorgung, Rückgabe und Übergabe mit dem Administrator.
Fehlerbeispiel 5: Man glaubte, mit dem Zurücksetzen allein hochsensible Daten gelöscht zu haben
Das Zurücksetzen von Windows ist praktisch, stellt aber keinen branchenüblichen Löschnachweis dar.
Bei hochsensiblen Daten sollte man dedizierte Löschung, kryptografisches Löschen, physische Zerstörung oder die Ausstellung eines Zertifikats in Betracht ziehen.
32. Checkliste für Privat-PCs
Checkliste vor der Entsorgung, dem Verkauf oder der Übergabe eines privaten PCs.
□ Entsorgung, Verkauf, Übergabe oder Weiterverwendung wurde festgelegt
□ Benötigte Dateien wurden gesichert
□ Es wurde geprüft, dass sich das Backup von einem anderen Gerät öffnen lässt
□ Es wurde geprüft, dass kein Synchronisationsfehler bei OneDrive und Ähnlichem vorliegt
□ Lesezeichen und Passwörter des Browsers wurden übernommen
□ Der Umgang mit kostenpflichtigen Apps und Lizenzen wurde geklärt
□ Externe Speicher und SD-Karten wurden entnommen
□ Der Status von BitLocker oder Geräteverschlüsselung wurde geprüft
□ „Alles entfernen“ wurde bei Windows gewählt
□ „Daten bereinigen“ wurde aktiviert
□ Das Vorhandensein mehrerer Laufwerke wurde geprüft
□ Der Ersteinrichtungsbildschirm wurde erreicht
□ Das Gerät wurde aus der Geräteliste des Microsoft-Kontos entfernt
□ Ein Protokoll über Abholung, Verkauf oder Übergabe wurde geführt
Bei privater Nutzung lassen sich mit dieser Checkliste allein schon viele Zwischenfälle vermeiden.
33. Checkliste für Entwickler-PCs
Bei Entwickler-PCs prüft man zusätzlich Folgendes:
□ Es gibt keine nicht gepushten Git-Commits
□ Nicht committete Änderungen wurden verarbeitet
□ Rein lokale Branches wurden geprüft
□ Der Umgang mit SSH-Private-Keys wurde geklärt
□ Der Umgang mit GPG-Schlüsseln wurde geklärt
□ .env-Dateien wurden geprüft
□ NuGet.config, .npmrc und pip.ini wurden geprüft
□ Zugangsdaten für AWS/Azure/GCP/Kubernetes wurden geprüft
□ Docker-Volumes wurden geprüft
□ WSL-Distributionen wurden geprüft
□ Backup oder Verwurf lokaler Datenbanken wurde entschieden
□ Datenträger virtueller Maschinen wurden geprüft
□ IDE-Einstellungen und Snippets wurden übernommen
□ Nicht mehr benötigte API-Schlüssel oder Tokens wurden widerrufen
□ Die Verschlüsselung des Backup-Ziels wurde geprüft
Bei Entwickler-PCs können Zugangsdaten gefährlicher sein als die Dateien selbst.
Es empfiehlt sich, gleich beim Datenumzug auch alte Schlüssel und Tokens aufzuräumen.
34. Checkliste für Unternehmens-PCs
Bei Unternehmens-PCs empfiehlt sich folgende Checkliste:
□ Die Anlagennummer des zu entsorgenden PCs wurde geprüft
□ Hersteller, Modell und Seriennummer wurden notiert
□ Nutzer und Abteilung wurden geprüft
□ Der Verantwortliche für das Backup wurde bestimmt
□ Geschäftliche Daten wurden auf internen Speicher ausgelagert
□ BitLocker-Status und Speicherort des Wiederherstellungsschlüssels wurden geprüft
□ Der Verwaltungsstatus in Intune / MDM wurde geprüft
□ Die Mitgliedschaft in Entra ID wurde geprüft
□ Der Registrierungsstatus bei Autopilot wurde geprüft
□ Die Löschmethode wurde festgelegt
□ Die ausführende Person für Löschung oder Zerstörung wurde bestimmt
□ Die Seriennummer des Datenträgers wurde notiert
□ Ein Lösch- oder Zerstörungsnachweis wurde eingeholt
□ Abholdienstleister und Belegnummer wurden erfasst
□ Das Anlagenverzeichnis wurde aktualisiert
□ Konten, Lizenzen und Geräteregistrierungen wurden geordnet
Auch in einem kleinen Unternehmen lässt sich das mit steigender PC-Anzahl nicht mehr aus dem Gedächtnis verwalten. Anfangs reicht auch Excel oder eine einfache Tabelle – wichtig ist, einen Mechanismus einzurichten, der die Entsorgung protokolliert.
35. Zusammenfassung
Was vor der Entsorgung eines Windows-PCs zu erledigen ist, ist nicht einfach das Drücken des Knopfs Zurücksetzen.
Nötig ist folgende Reihenfolge:
Was bleiben soll, bewahren
Was gelöst werden soll, lösen
Was gelöscht werden soll, löschen
Nachweise aufbewahren
Zuerst sichert man die benötigten Daten und prüft, dass sich diese wiederherstellen lassen. Anschließend ordnet man die Verknüpfungen zu Microsoft-Konto, OneDrive, dienstlichem Konto, Entwicklungszugangsdaten, Lizenzen und MDM-Verwaltung und wählt danach aus, ob Windows’ Diesen PC zurücksetzen, ein dediziertes Löschwerkzeug, kryptografisches Löschen oder physische Zerstörung zum Einsatz kommt.
Bei einem privaten PC ist die Windows-Rücksetzung mit Alles entfernen und Daten bereinigen eine realistische Option.
Microsoft selbst weist jedoch darauf hin, dass diese Löschfunktion für Endverbraucher gedacht ist und keine staatlichen oder branchenüblichen Datenlöschstandards erfüllt.
Bei SSDs, dienstlichen PCs, hochsensiblen Daten oder defekten PCs sollte man dedizierte Sanitisierung, Löschnachweis oder physische Zerstörung in Betracht ziehen.
Bei der PC-Entsorgung ist folgendes Verständnis wichtig:
Dateilöschung ist keine Datenlöschung
Das Zurücksetzen von Windows ist nicht allmächtig
Auch auf nicht startenden PCs bleiben Daten zurück
Die Ordnung von Datenträger und Konten ist der eigentliche Kern
Der zu entsorgende PC ist eine Ansammlung vergangener Arbeit. Nimmt man sich am Ende noch etwas Zeit für eine sorgfältige Bestandsaufnahme, lassen sich sowohl Datenverlust als auch Informationslecks leichter vermeiden.
Vor dem Wegwerfen eines Windows-PCs sollte man nicht auf das Gerät selbst schauen, sondern auf Datenträger, Konten und Nachweise.
Behält man das im Hinterkopf, trifft man bei der Entsorgung seltener Fehlentscheidungen.
Referenzlinks
- Before you recycle, sell, or gift your Xbox or Windows PC - Microsoft Support
- Reset your PC - Microsoft Support
- Back up and restore with Windows Backup - Microsoft Support
- BitLocker overview - Microsoft Learn
- Device Encryption in Windows - Microsoft Support
- Find your BitLocker recovery key - Microsoft Support
- Manage devices used with your Microsoft account - Microsoft Support
- Unlink and re-link OneDrive - Microsoft Support
- Manage User Accounts in Windows - Microsoft Support
- Troubleshoot the TPM - Microsoft Learn
- Use Cipher.exe to overwrite deleted data - Microsoft Learn
- NIST SP 800-88 Rev. 2 Guidelines for Media Sanitization
- PC-Recycling (Gesetz zur Förderung der effektiven Ressourcennutzung) - Japanisches Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie
- Über Datenlöschung - PC 3R Promotion Association
- Device action: Retire - Microsoft Intune
- Device action: Wipe - Microsoft Intune
- Windows Autopilot registration overview - Microsoft Learn
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Häufige Fragen
Fragen, die in Beratungen zu diesem Artikelthema häufig gestellt werden.
- Reicht es, einen Windows-PC vor der Entsorgung nur zurückzusetzen?
- Ein einfaches Zurücksetzen kann unzureichend sein. Wählt man bei „Diesen PC zurücksetzen“ von Windows „Alles entfernen“ und „Daten bereinigen“, senkt das für die übliche private Übergabe oder Entsorgung die typischen Risiken. Microsoft selbst weist aber darauf hin, dass diese Löschfunktion für Endverbraucher gedacht ist und keine staatlichen oder branchenüblichen Datenlöschstandards erfüllt. Bei PCs mit Kundendaten, Zugangsdaten oder anderen hochsensiblen Informationen sollte man dedizierte Löschwerkzeuge, kryptografisches Löschen, die Ausstellung eines Löschnachweises oder physische Zerstörung in Betracht ziehen.
- Reichen Dateilöschung oder Schnellformatierung nicht als Datenlöschung aus?
- Nein. Beim normalen Löschen wird im Dateisystem nur vermerkt, dass „dieser Bereich frei ist“ – solange die eigentlichen Daten nicht überschrieben werden, bleibt eine Wiederherstellung möglich. Auch die Schnellformatierung erstellt nur die Verwaltungsinformationen neu, ohne den gesamten Speicher zu überschreiben. Den Papierkorb leeren, den Benutzerordner löschen oder eine Partition entfernen macht Daten nur „unsichtbar“ und reicht als Löschung vor der Übergabe eines PCs an Dritte nicht aus.
- Ist es sicher, einen nicht mehr startenden PC einfach zu entsorgen?
- Nein. Auch wenn der PC selbst nicht mehr startet, lässt sich der Datenträger oft ausbauen, an einen anderen PC anschließen und auslesen. Bei Defekten wie einem schwarzen Bildschirm, einem Mainboard-Fehler oder einem PC, der sich nicht einschalten lässt, ist der Datenträger selbst meist noch intakt. Bei einem nicht startenden PC sollte man den Datenträger ausbauen und in einer anderen Umgebung löschen oder ihn physisch zerstören. War BitLocker aktiv, ist ein Auslesen ohne den Wiederherstellungsschlüssel unwahrscheinlicher – bei dienstlichen PCs sollte man sich darauf aber nicht verlassen, sondern den Zustand anhand von Aufzeichnungen belegen können.
- Unterscheidet sich die Datenlöschung bei SSD und HDD?
- Der Denkansatz ist unterschiedlich. Bei HDDs kamen bisher oft Löschwerkzeuge zum Einsatz, die den gesamten Bereich überschreiben. SSDs und NVMe-SSDs führen dagegen intern Wear-Leveling durch, sodass sich bei einem einfachen Überschreiben nicht immer sicher sagen lässt, dass „wirklich alle früheren Daten überschrieben wurden“. Bei SSDs ist es oft passender, die Secure-Erase- oder Sanitize-Funktion des Speicher- oder PC-Herstellers oder ein kryptografisches Löschen zu nutzen. Bei hochsensiblen Daten sollte man einen Dienstleister mit Löschnachweis oder die physische Zerstörung bevorzugen.
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